Stadt-Verzeichnis.de - Die Städte in Deutschland

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  • Stadt Pfungstadt

    Stadtdaten


    Bundesland: Hessen
    Regierungsbezirk: Darmstadt
    Land
    Kreis:
    Darmstadt-Dieburg
    Geografische Lage: 49° 48' n. Br. 08° 36' ö. L.
    Höhe: 103 m ü. NN
    Fläche: 42,53 km²
    Einwohner: 25.058 (31. Dezember 2004)
    Bevölkerungsdichte: 589 Einwohner je km²
    Postleitzahl: 64319
    Telefonische Vorwahl: 06157
    Kfz-Kennzeichen: DA
    Gemeindeschlüssel: 06 4 32 018
    Adresse der Stadtverwaltung: Kirchstraße 12 - 14 64319 Pfungstadt

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    Geschichte der Stadt Pfungstadt


    Rückblick auf die Geschichte Der Weg Pfungstadts zu einer Industriestadt des 20. Jahrhunderts Im Pfungstädter Raum reichen die Spuren menschlicher Besiedlung bis in die Jungsteinzeit (ca. 2.500 Jahre v. Chr.) zurück. An den Schlingen des Altrheines hielten sich zunächst nomadisierende, dann zunehmend auch seßhafte Stämme auf und ließen Gegenstände zurück, die ihre Anwesenheit belegen. Gräberfelder und Grabbeigaben lassen auch auf Siedlungen in der Bronzezeit schließen. Bodenfunde aus römischer Zeit zeugen von einem regen Verkehr zwischen Rhein und Limes. Vom heutigen Gernsheim nach Dieburg führte eine Römerstraße über das Gebiet um Pfungstadt und mußte gelegentlich sumpfige Stellen mittels Holzbrücken überwinden. Eine solche befand sich südöstlich von Pfungstadt auf Bickenbacher Gemarkung. Nach der Völkerwanderung des 4. und 5. Jahrhunderts geriet der Raum am unteren Lauf der Modau immer mehr unter den Einfluß der fränkischen Reichspolitik. Die Franken versuchten mit der Errichtung von Klöstern und Kirchen, aber auch der Instandsetzung der alten römischen Verkehrswege Einfluß auf die Bevölkerung zu gewinnen. Pfungstadt lag im fränkischen Rheingau, an der Grenze der beiden Reichsforste Dreieich im Norden und Forehari südlich der Modau. Die erste schriftliche Erwähnung Pfungstadts befindet sich im Lorscher „Schenkungsbuch“. Darin ist festgehalten, daß im Jahre 785 ein fränkischer Edelmann dem Kloster aus seinem Besitz 14 Hofstätten, 15 ½ Höfe und ganze fünf Mühlen vermachte. Man kann davon ausgehen, daß im damaligen Pfungstadt etwa 100 Personen gelebt haben und das Mühlenwesen schon sehr früh ein bedeutender Wirtschaftsfaktor war. Mit dem Niedergang des Reichsklosters Lorsch wurde dessen Besitz im Mühlendorf an der Modau zum Objekt unterschiedlicher Interessen. Der mächtige Erzbischof von Mainz, die Pfalzgrafen bei Rhein und die Schenken von Erbach stritten sich um die Erbmasse. Auch die Grafen von Katzenelnbogen, im 13. Jahrhundert Lehnsleute des Bischofs von Würzburg, waren an Pfungstadt interessiert. Ihnen gelang schließlich auch, sich der wichtigsten Rechte am Ort zu bemächtigen, nachdem sie schon 1312 die Ortsherren von Eschollbrücken geworden waren und Eich „ihr eigen“ nannten. Auch in Hahn, wo die Herren von Frankenstein noch lange über Besitz verfügten, gelang es den Grafen, ihre Rechte zu sichern. Vermutlich im Laufe des 14. Jahrhunderts wurde die Zent Pfungstadt eingerichtet, ein Gerichtsbezirk, der erstmals 1442 schriftlich erwähnt wurde und neben Pfungstadt mit den heutigen Stadtteilen Hahn, Eich und Eschollbrücken noch Griesheim, Eberstadt, Nieder-Ramstadt, Nieder-Traisa, Waschenbach und Nieder-Beerbach umfaßte. Der Hinrichtungsort der Zent ist noch heute an der Straße von Pfungstadt nach Eberstadt zu sehen.: Der Pfungstädter Galgen. Ab 1479 gehörten die Dörfer zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, was aber außer der Einführung der Reformation 1527 keine wesentlichen Veränderungen mit sich brachte. Bis zum 30jährigen Krieg (1619-1648) erlebte Pfungstadt einen kontinuierlichen Aufschwung, die wirtschaftliche Grundlage dafür waren die zahlreichen Mühlen - 1630 waren es 14. Die Bevölkerung verdoppelte sich innerhalb eines Jahrhunderts, und man kann davon ausgehen, daß Pfungstadt am Vorabend des Krieges zu einer der größten Ortschaften in der Obergrafschaft Katzenelnbogen zählte. Ein noch heute sichtbarer Ausdruck des Aufschwunges war der Bau des Rathauses, das zwischen 1614 und 1618 entstand. Über der Modau wurden zwei Tonnengewölbe erbaut, darüber eine zweigeschossiger Massivbau mit einem geschweiften Giebel. Im unteren Geschoß richtete man eine offene Halle, im Obergeschoß einen Ratssaal ein. Zwei weithin sichtbare Sonnenuhren schmückten seit spätestens der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts den östlichen Giebel und die Südseite des Gebäudes. Vor dem Rathaus befand sich der Marktplatz, auf dem in regelmäßigen Abständen das Zentgericht tagte und auch der alljährliche Jakobsmarkt, der Jahrmarkt am Jakobitag (25. Juli) stattfand. An dieser Stelle befindet sich heute das Volksbankgebäude. Der 30jährige Krieg setzte dem Aufschwung ein jähes Ende. Marodierende Truppen aller Kriegsparteien zogen plündernd und brandschatzend durch das Land und legten große Teile der Ortschaften in Schutt und Asche. Die Straßen und Wege, die bis dahin von Händlern genutzt worden waren und den Reichtum Pfungstadts gefördert hatten, wurden nun zu Einfallstoren der Soldaten. Man kann davon ausgehen, daß kein Haushalt unbeschädigt blieb. Und es dauerte fast zwei Jahrhunderte, bis man den Zustand von 1619 wieder erreichte. Einen Wendepunkt markieren die Kirchenneubauten des 17. Jahrhunderts, die der wieder allmählich anwachsenden Bevölkerung und den unerträglichen Zuständen der alten Bauten Rechnung trugen. Den Anfang machte Hahn, wo in den Jahren 1702 bis 1705 eine neue Kirche entstand. 1728 folgte Eschollbrücken, und von 1746 bis 1748 wurde die neue evangelische Pfarrkirche in Pfungstadt errichtet. Auch zahlreiche Fachwerkhäuser, die zum Teil bis heute erhalten geblieben sind, zeugen vom Wiederaufbau der Dörfer im ausgehenden 17. Jahrhundert bzw. des angehenden 18. Jahrhunderts. Die industrielle Entwicklung Pfungstadts setzte 1776 mit der Einrichtung einer Krapp- manufaktur zur Produktion der Färberröte ein. Das Verwaltungsgebäude der Fabrik steht heute noch als sogenanntes „Herrenhaus“ im Büchnerweg, die übrige Anlage hat sich nicht mehr erhalten. Die Beschäftigungszahlen dürften zwischen 100 und 200 gelegen haben, allerdings mußte die Produktion wegen mangelnder Absatzmöglichkeiten schon 1818 wieder eingestellt werden. Mit dem Beginn der Industrialisierung ging ein starkes Bevölkerungswachstum einher: innerhalb von zwölf Jahren, zwischen 1780 und 1792, wuchs die Pfungstädter Bevölkerung von 1138 Einwohner auf 1767 an und erreichte um die Jahrhundertwende ungefähr den Stand von 1619. In der Folge siedelten sich in Pfungstadt die unterschiedlichsten Industriebetriebe an. 1845 kaufte Wilhelm Büchner, Bruder des Dichters und Revolutionärs Georg Büchner, die ehemalige Krapp-, dann Zuckerfabrik in den Gebäuden der Frankensteiner Mühle und richtete dort eine Ultramarinfabrik ein. Wilhelm Büchner prägte als engagierter Fabrikant und Gemeinderat fast ein halbes Jahrhundert sowohl das wirtschaftliche wie auch das soziale Leben Pfungstadts. Über sein lokales Engagement hinaus entfaltete Büchner seine Ideen auch als Mitglied des Reichstages, der 2. Kammer des hessischen Landtages und als Mitbegründer der „Deutschen Fortschrittspartei“. Der Inhaber der Hahner Gastwirtschaft „Zum Hirsch“, Justus Hildebrand, verlegte 1846 seine Bierproduktion von Hahn nach Pfungstadt und begründete damit die Pfungstädter Brauerei, die die Stadt bis heute prägt. Sowohl von der Büchner’schen Fabrik - solange sie bestand - als auch von der Brauerei Hildebrand ging ein gewaltiger Modernisierungsschub aus. Um im härter werdenden Konkurrenzkampf überleben zu können, wurden Dampfmaschinen angeschafft, Eiskeller eingerichtet sowie entscheidende Anstöße zur Wasser- und Gasversorgung der Stadt unternommen. 1851 wurde die erste Zündholzfabrik eingerichtet, von 1876 bis 1918 trat die Zigarrenindustrie mit drei großen Betrieben als bedeutender Wirtschaftsfaktor hinzu. Auch das Ziegeleigewerbe, das die Lehmkegel der Modau ausbeutete und auch in Eschollbrücken einen Standort aufbaute, sollte hier Erwähnung finden. Innerhalb von hundert Jahren hatte sich die Erwerbsstruktur grundlegend verändert und die Einwohnerzahl in Pfungstadt verdreifacht, um 1900 lag sie bei rund 6000. In Eschollbrücken und Hahn hatte sie sich verdoppelt, nur in Eich war sie konstant geblieben, da hier die industrielle Entwicklung kaum eine Rolle spielte. Wesentliche Impulse gingen von der Industrie auch auf die auflebende Bautätigkeit in der Stadt über. Exemplarisch sei hier auf die Entwicklung des Schulbauwesens hingewiesen. Einige Gebäude sind noch erhalten, auch wenn sie heute anderen Nutzungen dienen. Das älteste erhaltene Schulhaus befindet sich in der Seeheimer Straße 3, ein schlichtes Fachwerkgebäude, das als Mädchenschule diente, die steigende Zahl der Schülerinnen im 18. Jahrhundert aber nicht mehr aufnehmen konnte. 1810 wurde gegenüber der evange- lischen Kirche in der Kirchstraße 28 eine neue Mädchenschule erbaut. Mehr und mehr trat die Massivbauweise neben den Fachwerkbau, wie auch die im klassizistischen Stil ge11111111haltene, 1837/38 erbaute „Borngaßschule“ zeigt. Dort sind heute die städtische Bücherei und das Museum der Stadt untergebracht. In der Jahrhundertmitte wurde an der Stelle des heutigen Stadthauses in der Kirchstraße 12 eine weitere Schule errichtet. 1896 erhielt die „Höhere Bürgerschule“ in der Fabrikstraße ein neues Gebäude, in das 1923 die Mädchenberufsschule einzog. 1907 schließlich wurde die „Neue Schule“ an der Stelle der ehemaligen Gerberei Heß, hinter der Kirche gebaut. Die heutige „Goetheschule“ galt damals als eine der modernsten Schulen im Großherzogtum Hessen und wurde mit einer Turnhalle und einem Schwimmbad ausgestattet. Bis 1910 hatte auch in Eschollbrücken der schrittweise Ausbau der bestehenden Schule stattgefunden; die 1899 in Hahn eingerichtete Schule mußte 1929 wieder aufgelöst werden, da zu wenig Schüler am Ort wohnten. Bereits 1857 war das „Joelsche Institut“ im Gasthaus „Zum Löwen“ in der Mainstraße 8 eröffnet worden, das als jüdische Privatschule zu einem international bedeutenden Kulturinstitut wurde. Es wurde als höhere Lehr- und Erziehungsanstalt nicht nur von jüdischen, sondern auch von Schülern christlichen Glaubens besucht. Das Gebäude überstand die Zeit bis 1969, dann wurde es abgerissen und heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an die Existenz dieser Einrichtung. 1838 hatte ein jüdischer Religionslehrer erstmals die Erlaubnis erhalten, den jüdischen Kindern Pfungstadts Unterricht zu erteilen. Dieser fand - für die Kleinen noch nach Einrichtung des Instituts - im Schulgebäude der jüdischen Gemeinde in der Hillgasse statt. 1886 konnte der Betrieb der Nebenbahn Pfungstadt-Eberstadt eröffnet werden. Anläßlich der Einweihung wurde Pfungstadt am 20. Dezember zur Stadt erhoben. Damit war der Höhepunkt der Industrialisierung zunächst erreicht, denn gegen Ende des Jahrhunderts setzte erneut eine Krise ein, und viele der zahlreich gewordenen Arbeiter verloren ihre Arbeit. Die Stadt wandelte sich zu einer Arbeiterwohngemeinde, viele Arbeiter pendelten täglich nach Darm- stadt und Frankfurt. Der Gemeinderat beschloß 1899 die Einrichtung eines Wasser- und Elektrizitätswerkes, 1902 den Bau einer modernen Kanalisation und einer Kläranlage und schloß mit der Umsetzung in den folgenden Jahren an die stadthygienischen Erfordernisse der Zeit an. Weitere städtebauliche Projekte mußten durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges auf Eis gelegt werden und konnten erst in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts realisiert werden. So entstanden entlang der Bahnhofstraße die ersten Doppelhäuser und die eingeschossigen Einzelhäuser in kostensparender Holzbauweise am unteren Mühlberg. Die Zeit des Nationalsozialismus brachte den vielen Arbeitslosen der Stadt zwar Arbeit beim Bau der Autobahn Frankfurt-Mannheim, bei der großangelegten Riedentwässserung oder in der Munitionsanstalt, gleichzeitig setzte aber auch die Zeit der Verfolgung und des Terrors ein. Dies betraf nicht nur die politisch Andersdenkenden, die den Folterungen und Diskriminierungen der neuen Machtinhaber ausgesetzt waren, sondern auch die jüdische Gemeinde, deren Mitglieder entweder das Land noch verlassen konnten oder aber in Konzentrationslagern umgebracht wurden. Zeugnis des ausgelöschten jüdischen Lebens in der Stadt gibt die noch erhaltene, in der Mitte des 19. Jahrhunderts eingerichtete Synagoge in der Hillgasse 8, die als Kulturzentrum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll. Der Befreiung durch die amerikanischen Truppen im März/April 1945 folgte die Zeit des Wiederaufbaus. Zunächst galt es, die Lebensmittelversorgung zu sichern und über 2500 Flüchtlinge und Obdachlose mit Wohnraum und Arbeit zu versorgen. Die vielen Menschen wurden bei Einwohnern und in Notlagern untergebracht. Mit der Währungsre- form 1948 setzte ein kontinuierlicher Aufschwung ein, neue Industriebetriebe siedelten sich in Pfungstadt an und der Wohnungsbau wurde verstärkt gefördert. Anfang der 50er Jahre begann die gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft entlang der Freiligrathstraße und der Bürgermeister-Lang-Straße neue Wohnungen zu errichten, es folgten neue Siedlungen im Norden der Stadt. In den 60er Jahren mußten viele der alten Gebäude in der Innenstadt modernen Gebäuden weichen. Unter anderem mit dem Bau der Volksbank in der Borngasse, des Stadthauses in der Kirchstraße und der Kanalisierung der Modau zwischen Kirchmühle und Rathaus verlor das Zentrum der Stadt einen großen Teil seiner historischen Bausubstanz. Die bis dahin selbständige Gemeinde Hahn gliederte sich 1972 in die Stadt Pfungstadt ein, 1977 wurde Eschollbrücken mit ihrem Ortsteil Eich - seit 1972 zu Eschollbrücken gehörig - im Zuge der Gebietsreform zu einem weiteren Stadtteil. Dies ist ein wesentlicher Grund für das Wachstum der Stadt, denn innerhalb von 5 Jahren stieg - statistisch gesehen - die Bevölkerung von 17 200 auf über 23 000 Einwohner. In den 70er Jahren erfolgte - neben zahlreichen anderen großen Investitionen der Stadt, die hier nicht alle einzeln aufgeführt werden können - der Bau des Sport- und Freizeitzentrums Süd. Aus dieser Zeit datiert auch die Partnerschaft mit der englischen Stadt Retford. Seit drei Jahren ist Pfungstadt auf diese Weise auch mit Figline / Italien verbunden, und erst kürzlich wurde eine Partnerschaft mit Gradignan in Frankreich geschlossen. Es bleibt zu hoffen, daß es in Zukunft gelingen wird, die Völkerverständigung - auch auf lokaler Ebene - zu pflegen und in Zeiten eines härter werdenden Verteilungskampfes vernünftige und gerechte Lösungen für diese Stadt und ihre Einwohner zu finden. Stephanie Goethals (Stadtarchiv) Aus der Geschichte von Hahn Über die Entstehung des Ortsteils Hahn läßt sich nichts Bestimmtes nachweisen. In den alten Urkunden erschienen folgende Namensformen: Hagen, Hein, Hayn, Hain, Hahn. Alle diese Namensformen gehen auf das altdeutsche Wort „hagen“, mittelhochdeutsch „hagen, Hagin“, zusammengezogen hain, hein = Dornbusch, Gehölz, zurück. Auch das nicht allzu weit von Hahn entfernt liegende Hähnlein hat denselben Ursprung wie auch Hahn bei Ober-Ramstadt, Hainer Hof, Dreiechenhain.- Alle diese Orte haben also ihren Namen von einem Gehölz, bei unserem Hahn zog sich einst der Reichsforst Forehahl, bei den anderen dehnte sich der Wildbann Dreieich aus. Es ist übrigens merkwürdig, wie der Volksmund bis auf den heutigen Tag die Erinnerung an die alte Bedeutung des Wortes hahn = Hain festgehalten hat. In den Orten der Umgebung sagt kein Einheimischer: „Ich geh nach Hahn“. Alle sagen: „Ich geh in de Hah“, oder statt „nach Eich“, „In die Aasch“, wie auch alle „aus’m Hon“ wie „aus de Aasch“ kommen. In diesen Gehölzen wurden durch die Grundherren Siedlungen angelegt, mit leibeigenen Bauern besetzt, um neue Einkünfte zu erschließen. Zuerst legte man Gehege im Wald an, indem man Zweige mit ihren Spitzen niedrigbog, so daß sie erneut Wurzeln zogen.Diese auf solche Art verflochtenen Hecken nannte man „hane“ oder auch „gebücke“. Die Erstbenennung von Hahn erfahren wir aus einer Urkunde des Klosters Eberbach im Rheingau. Hahn bestand bereits, und ein Ritter Heinrich von Dieburg hatte dort seinen Besitz. Diese Urkunde von 1208 lautet (in Übersetzung): „1208 überlassen Heinrich von Dieburg, seine Ehrefrau und Schwester Judda dem Kloster Eberbach ein Stück Weiseland „Salsugo“, das sonst „Vennene“ heißt, in der Gemarkung Hagen liegt und ist 10 Gemand groß“. Diese „Vennene“, Röhricht mit Sumpfland, lag bei Eschollbrücken. Es wird ein Teilstück des alten Neckarlaufes gewesen sein, denn man kann das Wort mit „sumpfiger Wasserlauf“ übersetzen, und die nähere Beschreibung besagt, daß es sich um eine Art Sumpfrohrland und Weidendickicht handelt. Eine weitere Urkunde aus dem Jahre 1335 besagt, daß in dem Dorf „Hayn“ eine kleine Kapelle war, die durch den Mainzer Weihbischof Hartungius geweiht worden war. Ihr Altar war St. Georg zu Ehren genannt worden. Hahn war zunächst Filiale der Pfarrei Eberstadt. Um das Jahr 1354 war Eberhard von Katzenelnbogen kinderlos gestorben. Dem Gemahl seiner Schwester fielen daher einige Dörfer zu; es war ein Schenk von Erbach. Auch Einkünfte und Rechte von den Dörfern Urbach. Dornheim, Biebesheim und Hayn gehörten zu dem Erbachschen Anteil aus der Eberhardschen Erbschaft. Der Haupterbe sollte nach dieser Urkunde das Recht haben, die betreffenden Rechte zurückzukaufen. Aus dem nächsten Jahr 1355 liegt ebenfalls ein Bericht vor. Darin heißt es, daß das Gut des Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen „uff Hahner Felde“ der Kirche zu Eschollbrücken zehntet. Diese Urkunden beweisen, daß Hahn und Eich im Mittelalter Besitz des Grafen von Katzeneinbogen waren, gleich wie es für Pfungstadt von 1318 an gültig war. Ebenfalls wie Pfungstadt wurde es 1479 durch Erbschaft, infolge der Heirat Annas, der Erbtochter Graf Philipps des Älteren, des letzten Katzenelnbogeners, mit Landgraf Heinrich III, von Hessen, hessisch. 1356 wird das Dorf in einer Urkunde von Crumstadt als der „Hain“ genannt. In einer Darmstädter Urkunde aus dem Jahre 1377 findet man den namen „Hane“. Der Hof „Grävenbruch“ schreibt 1397 „der Hayne“. Viele Schreibweisen kann man in den Urkundenbüchern Darmstadts nachlesen. Hier finden wir zum Beispiel aus dem jahre 1403 „zu Haink“, „ymme Hayne“. Auch die Pfungstädter haben diese Bezeichnung und sagen 1488 „zum Hayne“. Es heißt in dieser Urkunde: „Im Jahre 1488 haben wir Henne und Walter von Buseck, Gebrüder Gilbrechts seel. Söhne sambt ihren Hausfrauen, Wilderin von Scharfenstein und Hildegard von Busecken an Graf Philipp von Katzeneinbogen ihre eigenen Höfe und Güter mit Gerichten und Gülten usw. wie ihre Älteren das auf sie brachten und sie bis dahin besessen haben zu Pfungstadt genannt Gilbrechtshof mit allen Gewaltsamb und Gerechtigkeit daselbst zu „Hayn“ auf dem neuen Weg. Unter Eichen, zu Eschenbrücken, Eberstadt, Sehem und anderen Landen um eintausendvierhundertfünfzig Gulden guter Frankfurter Währung erblich und ewiglich verkauft und darauf Verzicht getan.“ Im gleichen Jahr entstand ein Schriftstück, das man im Archiv von Groß-Rohrheim findet, in dem „im Hayne“ geschrieben steht, die alten Pfungstädter Wingertsbücher verzeichnen Besitzer aus dem „Hayn“ und die ersten Pfungstädter Kirchenbücher sagen von Geburt, Hochzeit und Tod aus dem „Hayn“ und „Hain“. Seit dem Jahre 1560 versahen die Pfungstädter Diakone (2. Pfarrei) die Hahner Pfarrstelle. Hahn gehörte zur Cent Pfungstadt, in den Musterungslisten von 1588 und 1592 sind die waffenfähigen Männer aufgezeichnet. Schwer hatte Hahn, genau wie Pfungstadt und Eschollbrücken, unter den Schrecken des Dreißigjährigen Krieges zu leiden. Schon zu Beginn dieses Krieges, beim Mansfelder Einbruch (1622), wurde das Dorf heimgesucht. Im Oktober 1622 beauftragte der Landgraf eine Kommission von vier Männern, darunter ein Notar, in allen Orten der Obergrafschaft Zeugen ausfindig zu machen, die über den Einfall der Mansfelder Truppen und ihre Erlebnisse Aussage machen konnten. Die Zeugen wurden nach Darmstadt in die Fürstliche Kanzlei bestellt, vereidigt und unter Androhung schwerer Strafen geboten, die reine Wahrheit zu sagen. Jedem Zeugen wurden 43 Fragen vorgelegt, worauf er einzeln oder auch für mehrere zugleich eine Antwort gab. Das Protokoll über diese Zeugenaussage wird im Hessischen Staatsarchiv von Darmstadt aufbewahrt. Zeuge Philips Kostert, Gemeindemann, berichtet af alle fragen, gleich vorigen seinen mitzeugen, sey alles geblindert in kirchen, rath- und allen heußen, mit karrh und wagen hinweggeführt worden, izt hetten sie den könige, alles, was sie an vieh und sonsten bekehmen, were irer. Diese Zeugenaussagen geben ein Bild aus dem Mansfelder Einbruch.. Wie in der ganzen Obergrafschaft sollte es noch schlimmer kommen, und um 1640 werden im Einwohnerverzeichnis der Obergrafschaft für Hahns Einwohner als Kriegsschäden angegeben: Peter Dill, Schultheiß, steht ziemlich, Hans Georg Heintzenberger von Wetzlar, baut 20 Morgen, steht ziemlich, Philips Crafft, zu Unter-Eichen, steht ziemlich. Als „steht schlecht“ wird Hans Sand, Georg Weicker, Philips Schöffer, Daniel Herbert, Philips Weicker, Johann Wilhelm Buchen aufgeführt. Der Frieden von Münster und Osnabrück sollte dem Lande 1648 endgültig Ruhe bringen. Doch dieser Friede sollte allerdings nur kurze Zeit dauern. 1678 fielen Franzosen in das Bergstraßengebiet ein. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg vernichteten die Franzosen die Festung und Burgen Rüsselsheim und Dornberg. Zwingenberg wurde zerstört und das Land gebrandschatzt. Die Hahner Bevölkerung stand in steter Angst vor den feindlichen Soldaten. Die Kriegsschulden aus den französischen Revolutionskriegen (1792 - 1805) bedrückten auf Jahre hinaus die Gemeinde. Die Entwicklung Hahns im vorigen und in diesem Jahrhundert war das Werden eines Bauerndorfes zu einer Arbeiterwohngemeinde, die aber noch einen guten Kern eines gesunden Bauernstandes besitzt. Durch die Entwicklung Pfungstadts zu einem Industriestädtchen, dessen Anschluß an das Verkehrsnetz, fanden Hahner Arbeiter in Pfungstadt und Darmstadt Arbeitsplätze. Dadurch nahm die Einwohnerzahl der Gemeinde Hahn zu, die um die Jahrhundertwende etwa 1.100 Seelen betrug. In diese friedliche Entwicklungsphase fielen auch die Gründungen der Gesang- und Sportvereine, die es auch damals schon zu einer gewissen Blüte brachten. Diese Entwicklung wurde durch den 1. Weltkrieg jäh unterbrochen. Zu Beginn des 2. Welt- krieges zählte Hahn etwa 1.300 Einwohner. Nach Bewältigung der Kriegs- und Nachkriegs- zeit setzte auch in Hahn eine gute Aufbauperiode ein. Viele Infrastrukturmaßnahmen, wie Schulhauserweiterung, Kanalisation, Straßenbau, Ausweisung von Neubaugebieten und die Schaffung von Sportanlagen und einer Mehrzweckhalle förderten die Vereinsaktivitäten. Bis heute stieg die Bevölkerungszahl auf 2.300 an, und eine rege Vereinstätigkeit prägt das gesellige Leben in dieser Gemeinde. 1972 erfolgte die Eingliederung in die Stadt Pfungstadt, ohne nachteilige Spuren zu hinterlassen. Die weitere Entwicklung erfolgte im gleichen Maße wie die der übrigen Stadt- bereiche mit städtischen Zuwendungen für die Sport- und Kulturarbeit und der Verbesserung öffentlicher Einrichtungen. Viele Neuhinzugezogene beleben die Vereinsarbeiten, wobei naturgemäß alte Hahner Traditionen ihren gebührenden Platz weiterhin einnehmen. Wilhelm Weingärtner Die Herren von Eschollbrücken und ihre Burg Im Hochmittelalter läßt sich von 1122 bis 1223 eine adlige Familie derer von Eschollbrücken urkundlich nachweisen. Da sie nicht allzu groß ist, sollen ihre einzelnen Mitglieder kurz vorgestellt werden. Zum Schluß kommen neuere Erkenntnisse über ihre Burg zur Sprache. Am 10. Dezember 1122 verpfändet der Mainzer Erzbischof Adelbert I. dem Kloster St. Alban vor Mainz seinen Hof in Hechtsheim. In der Zeugenliste der adligen Männer (nsbiles viri) kommt ein ‘Adelbraht de Eschelbruccin’ zuvorderst vor. Der gleiche Erzbischof beurkundet am 9. April 1124 eine Güterübertragung mit gleichzeitiger Rückgabe als Lehen zu Malsburg in Nordhesssen. Ein ‘de Escenebruche Adelbertus’ tritt dabei als Zeuge auf. Am 24. Februar 1127 bestätigt Erzbischof Adelbert I., der von seinem Vorgänger Ruthard geschenkte Zehnte von den Ländereien auf dem Albansberge bei Mainz stehe dem Kloster Disibodenberg bei Staudernheim an der Nahe zu. Unter zahlreichen Vasallen ist unmittelbar hinter dem Grafen Eggebertus ‘Albertus de Eschilbruccun’ als Zeuge aufgeführt. In den achtziger Jahren des 12. Jahhunderts kommt ein Tausch zwischen den Herren von Eschollbrücken und dem Zisterzienserkloster Eberbach zustande. Dabei erhält Rupert von Eschollbrücken zur Ablösung seines Vogteiamtes in Haßloch bei Rüsselsheim ein in der Nähe seiner Burg gelegenes Landgut mit Namen ‘dir chirwilre’. Überliefert ist diese vertragliche Regelung in einem Güterverzeichnis des Klosters Eberbach aus den Jahren 1210/1211, das nach seinen Anfangswörtern Oculus memorie (Auge der Erinnerung) heißt. 1209 tritt ein Herr ‘Ulricus de Eschelbrukken’ als einer der Vermittler in einem Rechtsstreit zwischen Eberhard Waro voe Dreieichenhain und dem Kloster Eberbach auf. Die Haßlocher Vogteiangelegenheit wird nach etwa 30 Jahren aus bislang unbekannten Gründen erneut aufgegriffen und 1216 abgeschlossen. In insgesamt sechs Urkunden, ebenfalls im Oculus memorie überliefert, werden nähere Einzelheiten über Zeugen und Umstände des Haßlocher Tauschhandels erörtert. Besonders interessant sind dabei Einblicke in verwandtschaftliche Verhältnisse und feudale Abhängigkeiten der Herren von Escholl- brücken. 1222 bezeugt ein ‘Rupertus de Eschelbruken’ eine Vereinbarung zwischen den Klöstern Lorsch und Schönau und 1223 nimmt er in Frankfurt an der Schlichtung eines Streites zwischen dem Pfalzgrafen Ludwig I. und dem Reichsdienstmann und Schenken Gerhard I. von Erbach teil. Danach ist die Familie derer von Eschollbrücken nicht mehr nachweisbar; sie ist entweder ausgestorben oder weggezogen und hat nach damaligem Brauch den Namen des neuen Wohnsitzes angenommen. In einem Nachtrag zum Oculus memorie kommt es zur Erstnennung der Burg Eschollbrücken im Zusammenhang mit der Haßlocher Vogteiangelegenheit. Die genaue Jahreszahl ist nicht bekannt, jedoch scheint 1216 sehr wahrscheinlich zu sein. Aus einer Kellerrechnung des Amtes Dornberg von 1460 ist für Eschollbrücken eine ‘burg jme broich’ überliefert. Im Zinsbuch des Amtes Darmstadt wird 1506 ein Grundstück ‘die alte purg’ genannt, wovon der Landgraf einen Zins von einem Simmer Öl erhält. Schon 1312 ist die Burg bei einem Schiedsspruch über das Dorf und Gericht Eschollbrücken zwischen dem Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen und den Brüdern Heinrich und Berthold von Erligheim und ihrer Schwester Elisabeth, der Stebenin, nicht mehr erwähnenswert. Man kann davon ausgehen, daß sie in jener Zeit bereits unbewohnbar war. Es liegt die Vermutung nahe, daß sie ähnlich der Burg Bickenbach auf dem Weilerhügel in den Wirren der Mainzisch-Pfälzer Fehde in den dreißiger und vierziger Jahres des 13. Jahrhunderts, in der es um das materielle Erbe und die Besitzrechte des ehemaligen Reichklosters Lorsch ging, zerstört worden war. Im Volksmund heißt das Flurstück schon von jeher ‘off de Bärje’, zu hochdeutsch ‘auf der Burg.’ Einem auswärtigen Geometer blieb es in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts vorbehalten, daraus die falsch verstandene Verhochdeutschung ‘auf der Birke’ zu bilden und diese Schreibweise auch noch offiziell in Katasterkarten einzuführen. Erst zu Beginn unseres Jahrhunderts wurde dieser Fehler wieder rückgängig gemacht. Bisherige Grabungen in den dreißiger Jahren und 1972 brachten nicht den erhofften Erfolg. Erst eine breit angelegte luftbildarchäologische Untersuchungskampagne im Jahre 1986 zeigte grundrißartige Strukturen im ehemaligen Burggelände, das zum erstenmal konkret faßbar wird. Geophysikalische Untersuchungen schlossen sich im Herbst 1992 an und führten zu erstaunlichen Ergebnissen. So lassen sich luftbildarchäologische und geophysikalische Befunde weitgehend zur Deckung bringen. Ihre Interpretation zwingt zu der Annahme, daß es sich um eine mehrzeitige Burganlage handelt, deren sämtliche Ausbaustufen ineinander- projiziert dargestellt sind. Man kann davon ausgehen, daß zunächst eine im Fachjargon bezeichnete Motte (Turmhügelburg) bestand. Nach Abtragen des Hügels wurde dann eine Niederungsburg (Wasserburg) erbaut. Weitere Einzelheiten würden den Rahmen dieser Kurzdarstellung sprengen.Eine ausführliche Dokumentation zu diesem Thema ist in Vorbereitung. Dr. Horst Lehning Das Pfungstädter Moor Ein Moor im herkömmlichen Sinnes ist es nicht, was man heute als Pfungstädter Moor bezeichnet. Der Einheimische nannte diese Flächen früher auch nur „Die Torfgruben“. Und das ist auch die zutreffende Bezeichnung. Es handelt sich hier, wie man heute sagt, um einen Landschaftsschaden, hervorgerufen durch den hier durchgeführten Torfstich in den Jahren 1823 bis 1923. Wie kam es nun zu der Torfbildung in unserer Gegend? Der Neckar nahm bis vor etwa 12.000 Jahren noch nicht seinen heutigen Lauf zum Rhein, sondern floß an der Bergstraße entlang und dann in Richtung Trebur. Hier vereinigte er sich mit den Mündungsarmen des Mains, um wiederum vereint mit diesem in den Rhein zu münden. Durch Pollenuntersuchungen konnte man jedenfalls feststellen, daß die Neckarläufe, die durch unsere Gegend flossen, seit 12.000 Jahren stehende Gewässer waren. Pflanzliche Stoffe, die in diese stehenden Gewässer gelangten, führten im Laufe der Jahrtausende zu den heutigen Torf- schichten, die mehr oder weniger stark sind. Im Jahre 1809 fing der ehemalige Eschollbrücker Pfarrer Walther an, Torf als Brennstoff zu gewinnen. Er hatte in Holland Torf kennengelernt. Mit diesem Plan, Torf als Brennstoff zu nutzen, fand er aber in Eschollbrücken nicht nur Zustimmung. Man gewöhnte sich aber im Laufe der Jahre doch an den neuen Brennstoff Torf. In Pfungstadt dauerte es noch eine Weile, bis man sich auch mit dem Brennstoff Torf vertraut machte. Im Jahre 1823 begann man, die Torflager in der Pfungstädter Gemarkung zu nutzen. Es zeigte sich, daß im Laufe der Jahre die Torfstecherei in Pfungstadt immer mehr an Bedeutung gewann. Im Verzeichnis der Pfungstädter Gewerbebetriebe aus dem Jahre 1859 kann man nachlesen, daß es damals in Pfungstadt 24 Torfstechereien mit 107 Beschäftigten gab. 23 Pfungstädter Kleinbetriebe handelten mit Torf, der in der Hauptsache nach Darmstadt verkauft wurde. Dei Torfstecher waren damals die besten bezahlten Arbeiter. Pfungstadt hatte damals 3.800 Einwohner. Die Torfstecherei und der Torfhandel wurden zu einem beachtlichen Wirtschaftszweig in Pfungstadt. Eingestellt wurde die Torfgewinnung im Jahre 1923. Die Ergiebigkeit der Lager lohnte sich scheinbar nicht mehr. Auch konnte man nur einen und zwar den obersten Teil der Torflager nutzen. Man war damals nicht in der Lage, das Wasser abzupumpen. Auch die Gemeinde Pfungstadt profitierte aus diesem Erwerbszweig. Die Einnahmen aus der Torfgewinnung - städtisches Land wurde zu einem beachtlichen Preis zum Austorfen verpachtet - wurden ab dem Jahre 1871 dem sogenannten Torfkapital zugeschlagen. Mit den Zinsen aus diesem Kapital sollten die Ortsbürger, die ja freien Torf erhielten, entschädigt werden, wenn die Torflager einmal erschöpft sein sollten und die freie Versorgung mit Torf entfiel. Inzwischen wurde das Kapital an Pfungstädter Bürger zinsbringend verliehen. Auch die Bauvorhaben der Gemeinde wie Schulhausbau, Turnhalle, Schwimmbad, Wasser- und Elektrizitätswerk sowie die Kanalisation wurden teilweise aus den Mitteln des Torfkapitals finanziert. In der Inflation 1923 ging aber auch dieses Geld verloren. Aber zurück zu den ausgetorften Flächen. Zunächst wurden sie sofort nach der Torfentnahme rekultiviert; sie mußten wieder verfüllt werden. In den letzten Jahrzehnten der Torfgewinnung bekam man das Wasser nicht mehr in den Griff. So blieben die Gruben unverfüllt liegen. Die Flächen wuchsen im Laufe der Jahre mit Schilfrohr zu, das auch gewerblich genutzt wurde. Flora und Fauna nahmen im Laufe der Jahrzehnte eine Form an, wie man sie in Moorgebieten kennt. Frösche gab es im Moor und den angrenzenden Wiesen in großen Mengen. In den Sommernächten und wenn der Wind günstig war, hörte man sie bis nach Pfungstadt. Die Frösche waren aber auch die Nahrung der Störche. Aus der ganzen Umgebung kamen die Störche hierher und versorgten sich selbst und ihre Brut mit Nahrung. Heute sieht es hier ganz anders aus. Das Pfungstädter Grabensystem. das einst zur Entwässerung der nassen Wiesen angelegt wurde, ist heute ausgetrocknet. Störche, die ehemals die Wiesen und auch das Moor bevölkerten, sind verschwunden oder nur noch selten anzutreffen. Pflanzen, die hier wuchsen, sind eingegangen. Wie kam es zu dieser Situation? Durch den Bau des neuen Teil der Bergstraßen-Autobahn wurde der natürliche
    Kreislauf des Wassers unterbrochen. Um die Folgen hat man sich zu dieser Zeit keine Gedanken gemacht. Hinzu kam, daß das Hessische Ried der Hauptwasserlieferant für das Rhein-Main-Gebiet wurde und sich dadurch der Grundwasser- spiegel ganz rapide senkte. Die Kiesgruben, die man im Ried anlegte, trugen durch die große Verdunstung des Wassers ebenfalls mit zur Senkung des Grundwasserspiegels bei. Zudem wurde durch das Ausbaggern dieser Gruben die unter der Torfschicht befindliche Ton-Schlick-Schicht, welche wie eine Wanne das Wasser vor dem Versickern in das Grundwasser bewahrte, zerstört. Die Folgen können wir nun sehen. Das Moor liegt trocken und droht zu versanden. Da, wo früher noch Schilfrohr wuchs, das wirtschaftlich genutzt wurde, wachsen heute Brennesseln. Was sollte man tun oder was hat man nun getan, um das Moor zu retten? Zeitweise wurden die geklärten Abwässer der Pfungstädter Kläranlagen in das Moor geleitet. Wegen des hohen Gehaltes an Phosphaten, Nitraten und Ammonium untersagte das Wasserwirtschaftsamt die weitere Einleitung. Die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz hatte schon im Jahre 1977 vorgeschlagen, das Wasser aus dem Bickenbacher Rückhaltebecken in das Moor zu leiten und so den alten Zustand wieder herzustellen. Wegen der hohen Kosten - ein Rohr mußte unter der Autobahn- und Eisenbahntrasse verlegt werden -, scheiterte zunächst dieser Plan. Als sich dann das Land Hessen bereit erklärte, diese Maßnahme durchzuführen, verkaufte die Stadt Pfungstadt das Moorgebiet an das Land Hessen. Die Leitungen wurden inzwischen verlegt. Wenn der Wasserstand des Rückhaltebeckens eine bestimmte Höhe erreicht hat, fließt von dort das Wasser in das Moor. Da auch der Grundwasserspiegel in den letzten Jahren etwas angestiegen ist, kann der Besucher des Moores schon einen Erfolg sehen. Zwar ist noch nicht die gesamte Fläche des Moores unter Wasser gesetzt, doch gibt es schon offene Wasserstellen. Vielleicht erleben unsere Kinder und Kindeskinder das Pfungstädter Moor wieder so, wie wir es in unserer Jugend kannten. Zu schön wäre es, wenn man hier ein Stück Natur zurückeroberen könnte. Die finanzielle Frage sollte nicht der Grund sein, irgendwelche Maßnahmen zu unterlassen. Valentin Liebig Archivar

    (Quelle: Stadt-Homepage)



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