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  • Stadt Kemberg

    Stadtdaten


    Bundesland: Sachsen-Anhalt
    Land
    Kreis:
    Wittenberg Geographische Lage: 51° 47' N, 12° 38' O
    Höhe: 76 m ü. NN
    Fläche: 25,06 km²
    Einwohner: 2790 (31. Juli 2004)
    Bevölkerungsdichte: 111 Einwohner je km²
    Postleitzahl: 06901
    Telefonische Vorwahl: 034921
    Kfz-Kennzeichen: WB
    Gemeindeschlüssel: 15 1 71 028
    Adresse der Stadtverwaltung: Burgstraße 5 06901 Kemberg

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    Geschichte der Stadt Kemberg


    Wie so vieles in der Geschichte wird es wohl auch immer ein Geheimnis bleiben, wann und von wem die Erstbesiedlung des Ortes, der heute Kemberg heißt, genau erfolgte. Falls jemals geklärt werden kann, ob der mit „Nessuzi“ bezeichnete Burgward in einer alten Urkunde mit der bei Kemberg befindlichen Wallanlage (heute Friedhof) übereinstimmt, dann wäre die Ersterwähnung der Ortslage Kembergs in das Jahr 1004 zu legen.

    Die Historiker und Namensforscher sind sich einig, daß der Ortsname Kemberg durch eine Namensübertragung aus der Heimat der deutschen Siedler, die unsere Gegend wahrscheinlich im 11. bis 12. Jahrhundert besiedelten, entstand. Die Heimatgegend dieser Siedler müßte demnach im Gebiet um Cambray im Nordosten des heutigen Frankreichs zu suchen sein. Die latinisierte Form des Ortsnamens Kemberg auf spätmittelalterlichen Urkunden ist mit der Schreibweise dieser Stadt identisch – „camericensis“. Dies hat noch im 19. Jahrhundert zu zahlreichen Verwechselungen bei der Zuordnung von alten Urkunden in der historischen Forschung geführt. Das Gebiet um Kemberg gehörte seit ca. 1030 zur Grafschaft Brehna. Darauf weist noch heute der heraldisch rechte Teil des Kemberger Stadtwappens hin. Das dort befindliche Seeblatt führt auch heute noch die Stadt Brehna in ihrem Wappen. Nach dem Aussterben der Brehnaer Grafen im Jahre 1290 fiel ihr Land an die Linie der Askanier von Sachsen-Wittenberg.

    Um das Jahr 1200 wird die Errichtung der ersten Kirche in Kemberg erfolgt sein. Diese ist uns heute nur noch dem Namen nach überliefert. Sie trug den Namen „St. Wolfgang“ und befand sich ungefähr auf dem Grundstück in der Leipziger Straße 54, das heute der Familie Mattheß gehört. Um 1575 wurde die Kirche säkularisiert und das Grundstück mit dem Gebäude ging in Bürgerbesitz über.

    Wichtig für die Entwicklung der Ortschaft war die Verlegung der um 1200 in Pratau gegründeten Propstei nach Kemberg. Dies dürfte im Zeitraum von 1320 bis 1330 geschehen sein. Auf einer Urkunde aus dem Jahre 1334 ist der Name des Propstes mit „Johannes Praepositus in Kemrik“ aufgeführt. Die Gründe für die Verlegung waren die ständigen Überschwemmungen der dicht an der Elbe im Überschwemmungsgebiet gelegenen Propstei. Heute weist bei Pratau nur noch die Flurbezeichnung „Propstei“ auf den ehemaligen Standort hin. In diesem Zeitraum dürfte auch die Verleihung des Stadtrechtes an den Ort erfolgt sein. Die erste bisher bekannte sichere Datierung des Stadtrechtes ist auf einer Urkunde des Fürsten Rudolf aus dem Jahre 1346 zu finden (civitate Kemrigk).

    Um 1332 zählte die Ortschaft 143 Wohnstätten, was auf eine Einwohnerzahl von wahrscheinlich ca. 750 Personen schließen läßt. Damit war Kemberg zum damaligen Zeitpunkt eine recht bedeutende Ansiedlung. In der Zeit um 1346 erfolgte auch die Weihe der Stadtkirche St. Maria, deren bedeutende Erweiterung durch die Propsteiverlegung und die doch recht große Einwohnerzahl notwendig geworden war.

    Gleichfalls wird die Vergrößerung des städtischen Besitzes durch den Erwerb der wüsten Dorfstellen von Bußdorf (20 Hufen) und Bruchhausen (10 Hufen) in dieser Zeit zu suchen sein. Aus einer Urkunde des Allerheiligen Stifts zu Wittenberg aus dem Jahre 1353 erfahren wir das erste Mal etwas von der Existenz eines Rathauses in unserer Stadt.

    Gemeinsam mit Wittenberg und einer Reihe anderer Städte schließt die Kemberger Bürgerschaft mit Herzog Rudolf dem II. ein Schutzbündnis im Jahre 1358 ab. Der erste namentlich bekannte Bürgermeister ist Klaus Kuhfund (Claws Kwefued), der als „Borgermeister zu Chemerig“ zeichnete. Im Gegensatz zu vielen anderen Städten sind uns nur immer zwei sich abwechselnde Bürgermeister und Stadträte, die damals ihre Funktionen „ehrenamtlich“ ausführten, überliefert. Es waren dies der jeweils regierende Rat und der „sitzende Rat“. Damit sollte gewährleistet werden, daß die gewählten Bürger ihren eigentlichen Beruf nicht zu stark vernachlässigen mußten. In gleicher Art existierten 8 Viertelsmeister, die sich zu je 4 ein um das andere Jahr als Vertreter der Bürgerschaft an den Verwaltungsgeschäften der Stadt beteiligten.

    Der wahrscheinlich prominenteste in der langen Reihenfolge der Pröpste zu Kemberg war der im Zeitraum von 1372 bis 1385 in zahlreichen Urkunden erwähnte Nikolaus von Riesenburg. Er war wichtiger Mitarbeiter in der Kanzlei des deutschen Kaisers Karl IV. und tritt dort seit Anfang der siebziger Jahre des 14. Jahrhunderts als Nachfolger des Kanzlers Johannes von Neumark auf. Ob er aus dem ostpreußischem oder dem böhmischen Riesenburg stammt ist nicht geklärt.

    Eine ungeheuere Belastung für die Bürgerschaft war die Errichtung der noch heute zum Teil erhaltenen Ringmauer in der Zeit wahrscheinlich schon vor 1400. Zwei Tore, das Autor und das Heidetor, sowie mehrere Pforten stellten die Verbindung zur Umgebung dar. Zu diesem Zeitpunkt existierten aber sicherlich auch schon die beiden Vorstädte (Wittenberger Vorstadt und Leipziger Vorstadt) sowie der Neumarkt.

    Während der Zeit der Hussitenfeldzüge wurde sicherlich auch die Stadt Kemberg nicht verschont. Ihr damaliger Propst, ein Vertreter des Hauses Löser, wirkte als Berater des sächsischen Landesherren maßgeblich an der Verfolgung der Hussitenbewegung mit. Dies könnte schon allein genügt haben, daß die Stadt um 1430 von den umherziehenden Hussiten belagert wurde. Von starken Brandschatzungen wie in unserer Nachbarstadt Bad Schmiedeberg ist Kemberg wahrscheinlich verschont geblieben. Bisher konnte darüber in den Archiven noch nichts gefunden werden.

    In den schriftlichen Überlieferungen finden wir immer wieder Nachrichten von großen Überschwemmungen, so auch schon aus dem Jahre 1432, wo das Elbwasser bis nach Kemberg geflossen sein soll. Dies wiederholte sich auch in den Jahren 1501, 1564/65 und 1655.

    Das älteste uns bisher bekannte Stadtsiegel befindet sich an einem Brief des Rats zu Kemberg aus dem Jahr 1468 an den Rat zu Zerbst, in dem um „Amtshilfe“ in einer Finanzangelegenheit gebeten wird. Als gesichert ist die Existenz der Kemberger Schützengilde für das Jahr 1470 anzusehen. Der Verweis in einem alten Artikel auf die Existenz eines Altars der Schützenbruderschaft bei der Weihe der Kirche im Jahr 1346 konnte bisher noch nicht belegt werden. 1475 existierte er aber ganz sicher schon.

    Im Jahr 1482 besitzt die Stadt Kemberg bereits die niedere Gerichtsbarkeit (Erbgerichte) und auch das Braurecht. Auf rund 70 Grundstücken innerhalb der Stadtmauern haftete damit das Recht, Bier brauen zu dürfen. Das war für die Bürger ein sehr wichtiger Erwerbszweig. Bier gehörte damals zu den „Grundnahrungsmitteln“. Man sprach bei den Einkünften von der Brautätigkeit als Biernahrung. Eine wichtige Grundlage für diesen Wirtschaftszweig bildete der Hopfenanbau der Bürger. Der Kemberger Hopfen war weithin als gut bekannt, und das Geschäft mit ihm florierte bis zu der Zeit der französischen Besetzung vor dem Befreiungskrieg. Während dieser Zeit wurde die wirtschaftliche Grundlage des Hopfenanbaus vernichtet.

    Eine bedeutende Erweiterung des Besitzes der Bürgerschaft erfolgte durch den Erwerb der wüsten Mark Oppin im Jahre 1496. Die erworbene Fläche betrug 16 Waldhufen (ca. 326 Hektar) kostete 42 Rheinische Gulden. Der Verkäufer war Seiffert List, ein Gutsbesitzer, der auf Rackith ansässig war.

    Mit der Gründung der Wittenberger Universität durch Kurfürst Friedrich den Weisen 1502 traten in Kemberg gravierende Veränderungen ein. Die Kemberger Propstei wurde in das Allerheiligen Stift zu Wittenberg inkorporiert. Die Einkünfte dieses Stifts trugen wesentlich zur Finanzierung der neu gegründeten Lehranstalt bei. Damit flossen große Teile der Propsteieinkünfte von Kemberg nach Wittenberg. Gleichzeitig wurde die Wittenberger Universität zum Patronatsherr der Kemberger Propstei. So ist es für die Folgezeit nur allzu verständlich das sich zahlreiche Wittenberger Professoren um das scheinbar noch immer attraktive Amt des Propstes in Kemberg bemühten. Im Jahr 1506 geht dann der Titel „Propst“ auf den ersten Geistlichen der Stadt über. Zu diesem Zeitpunkt verrichteten an der Kemberg Stiftskirche mindestens 6 bis 8 Geistliche ihren Dienst.

    Fundierte Angaben über die Verhältnisse der Stadt sind im erhalten gebliebenen Amtserbbuch zu finden, welches vom Wittenberger Amtmann Anton von Niemeck im Jahr 1513 verfaßt und bis 1515 mit zwei Nachträgen versehen wurde. Es umfaßt mehr als 2100 Blätter. Die Stadt Kemberg zählte demnach 69 Brauerben, 43 Budelinge (Einwohner mit nur geringen Häusern – „Buden“) und 73 Vorstädter. Damit lebten 185 Hauswirte im Ort, was einer Gesamteinwohnerzahl von ca. 950 Personen entsprach. Weiterhin geht u. a. aus dem Erbbuch hervor, daß die Stadt im Bedarfsfall ein Aufgebot von 20 Fußknechten und zwei ausgerüsteten Reisewagen mit 4 Knechten dem Landesherren zu stellen hatte. Im gleichen Jahr ereignete sich in Kemberg auch ein großer Stadtbrand.

    Im Jahre 1518 starb der Kemberger Propst Ziegelheim, ein Freund Martin Luthers an der Pest. Nachfolger im Amte wurde der amtierende Rektor der Wittenberger Universität Bartholomäus Bernhardi. Geboren wurde dieser 1487 in der Gemeinde Schlins bei Feldkirch/ Vorarlberg in Österreich und starb 1551 in Kemberg. Er hatte in Erfurt studiert und erhielt später in Wittenberg eine Professur. Aufsehen erregte er 1521 durch seine Heirat mit einer Kemberger Bürgerstochter. Dies war wahrscheinlich die erste offizielle Heirat eines Priesters. Unter seiner Amtsführung schloß sich Kemberg schon sehr zeitig der lutherischen Reformbewegung an. In der Schloßkirche zu Wittenberg ist dies bei deren Erneuerung Ende des 19. Jahrhunderts auch durch das Einsetzen des Kemberger Stadtwappens in einem nach Süden weisenden Fenster im Altarraum symbolisiert worden. Im Jahr 1521 nehmen zahlreiche Kemberger Schützen an einem Scheiben- und Vogelschießen in Wittenberg teil.

    Die Reformation brachte es auch mit sich, daß der namhafte Wittenberger Professor Karlstadt, dessen Gedanken und Handeln nach anfänglicher Zusammenarbeit mit Luther andere Wege gingen, um 1526 für ca. zwei Jahre in Kemberg „Asyl“ erhielt. Hier schlug er sich recht kärglich als Händler durchs Leben, nachdem er vorher in der Nachbarschaft als Bauer gescheitert war.

    Zur Klärung der wirtschaftlichen und geistlichen Verhältnisse der Kirche wurden, 1528 für Kemberg beginnend, Kirchenvisitationen durchgeführt. Die dabei entstandenen Protokolle stellen heute heimatgeschichtliche Fundgruben dar. Von den Visitatoren Kembergs, an deren Spitze 1528 Luther stand, erfahren wir: „Kembergk hat und soll hinforder allweg haben einen probst, der das pfarrambt in der stat vorwese, (hat) kein zugehorend dorf daneben zu vorsorgen....“. Weiterhin erfahren wir, daß es bereits eine Stadtschule mit einem Schulmeister und einem Kantor („ein cantor von sunderlicher guter geschicklichkeit und furhabender guter weis, die knaben im latein und der musica zu lernen....“), einen gemeinen Kasten (eine Art Sozialkasse) und ein Hospital in der Stadt gaben. 1533 lesen wir „Der schulmeister hat bis anher neben der schul die statschreiberei mit gehabt und vorweset und also vilmals die iugent vorseumen mussen; ist derwegen mit dem rat gehandelt, das sie nu und hinfur einen eigen statschreiber, der mit der schul nichts zu thun hab, haben sollen.“. Der Bericht von 1555 gibt an: „Hat das stetlein fast 250 wirt (Die Einwohnerzahl betrug demnach ca. 1250 Personen.) in und vor der stat. Wirt das kirchenampt versorgt durch einen probst, prediger oder diacon, schulmeister, cantor und infimum (ein Gehilfe), welcher zugleich die custerei versihet.“ Auch die Existenz einer bestehenden „iungfrauschule“ wird hier erstmals erwähnt. Sie wurde von der Frau des Schulmeisters versorgt. In diesem Bericht wird auch die Einsetzung des Kemberger Propstes als Superintendent mitgeteilt- „...., ienseits der elb ist in Gottes namen von den visitaboribus dem ehrwirdigen herrn M. Matthiae Wanckeln, praeposito zu Kemberg, die superintendentia uber die stat Schmideberg, Pretsch und andere umbligende und darzu gehorente flecken und dörfer, uber der elb gelegen ... offentlich bevolen und uferlegt,...“.

    Zusätzlich zu der niederen Gerichtsbarkeit erwirbt die Stadt 1536 die hohe Gerichtsbarkeit. Dies erfolgt erst einmal durch Pachtung, der ein späterer Kauf folgte. Vor dem Stadtgericht konnten nun auch Krimanaldelikte behandelt werden, und es konnte als Höchststrafe auch die Todesstrafe ausgesprochen werden.

    Von den zahlreichen Handwerksinnungen ist als älteste Satzung die der Bäcker aus dem Jahr 1541 überliefert. Durch den Innungszwang erfolgte unter anderem auch eine Betriebsstellenregulierung und Regelung des Wettbewerbes untereinander.

    Durch Erlaß des Kurfürsten erhält die Stadt 1545 eine Freistelle an der Wittenberger Universität. Dieser Regelung folgt später noch die Einrichtung einer Freistelle an der Fürstenschule in Grimma, die nach Jahren in eine Freistelle in Schulpforta umgewandelt wurde. Durch diese Stipendien konnten begabte Kemberger Schüler unabhängig vom Geldbeutel der Eltern ein Studium aufnehmen. Im Zeitraum von 1502 bis 1602 studierten allein an der Wittenberger Universität 96, von 1603 bis 1710 102 und von 1711 bis 1812 45 Studenten aus Kemberg. In der Summe 243 Studenten. Für die Nachbarstadt Schmiedeberg sind für die gleichen Zeiträume folgende Studentenzahlen zu verzeichnen: 1502 bis 1602 18, 1603 bis 1710 33 und von 1711 bis 1812 45, in der Summe 96 Studenten. In den Grimmaer Schulmatrikeln sind 23 Kemberger Schüler von 1550 bis 1637 nachweisbar.

    In das Jahr 1551 datieren die ältesten bekannten Kirchenbuchaufzeichnungen der Kemberger Propstei. Zwei Jahre später erwirbt die Stadt die Stadtmühle, die sie bis 1727 besitzt und zur Nutzung verpachtet.

    Die wirtschaftlich wichtige Brauerei der Städte brachte natürlich immer wieder Streitigkeiten hervor. So ist uns aus dem Jahre 1555 eine Beschwerde der Brauerschaft von Wittenberg überliefert, in der sich diese über die Brauer zu Kemberg beschweren, daß diese zu viel und zu zeitig brauen. Der kurfürstliche Entscheid gestattete den Kembergern jedoch wegen ihres großen Marktes 5 Gebräude eher als die Wittenberger anzufangen, und im Falle des Mangels an Bier dieses wo sie wollten zu kaufen. „Nachdem die Stadt Wittenberg sich beklagt uber die Stadt Kembergck und Zane, das dieselbigen eher den sie zu brauen anfaheten, auch langsamer den sie aufhören thetten, ... Nemlichen das beide Stette Kembergck und Zane mit der Stadt Wittenbergck zu brauen zugleich anfahen und auch wiederumb aufhören sollen, jedoch also und dergestaldt, weil die Stadt Kembergck eine große Hoppenpflucke auch einen Jarmargck vor Michaelis haben, so sollen sie fünff Bihr, eher die von Wittenbergk anfahen zu brauhen, und do ihnen darüber Bihr manglen wurde, dasselbige ihres Gefallens im Chur- und Fürstenthumb, wo sie wollen, zu haben Macht haben.“

    1558 erweitern die Stadtväter wiederum die Stadtflur durch Kauf der Mark Niemitz von Kaspar Niemeck für 25 Gulden. Die Flurerweiterung betrug 96 Hektar.

    1559 erfolgte der Bau eines neuen Propsteigebäudes, und 1560 wurde der Gottesacker auf dem noch heute benutzten Gelände angelegt. Drei Jahre später erfolgte wahrscheinlich schon die Gründung des Kemberger Kantoreichores. 1564 wurde von der Malerwerkstatt Lucas Cranach d. J. für die unwahrscheinlich hohe Summe von 147 Gulden und 18 Groschen der leider bei einem Brand 1994 stark zerstörte Flügelaltar geliefert. Im gleichen Jahr erhielt die Kirche auch eine neue Orgel.

    Aus dem Jahr 1568 datiert die Inschrift am ältesten erhaltenen Bürgerhaus in der heutigen Schulstraße.

    Zu einem landesweiten Schützenfest lud der Rat zu Kemberg im Jahr 1573 ein. Der Preis für den besten Schützen war ein Mastochse. 1593 fand in Kemberg wiederum ein großer Schützentag statt, zu dem Gäste aus dem ganzen Land kamen. Die beiden in Kemberg existierenden Schützenvereinigungen, die althergebrachte Schützengilde und eine Büchsenschützengesellschaft jüngeren Ursprungs vereinigen sich 1604 zu einer Gilde.

    1588 erfolgt die Bewilligung eines Jahrmarktes und eines Viehmarktes. Diese waren Anziehungspunkte und eine Art Volksfest für die ganze Umgebung. 1590 zählt die Stadt 256 Hauswirte, darunter 72 Brauer. Vier Jahre später erfolgt eine große Kirchenrenovierung und 1606 bis 1609 erhält das spätgotische Rathaus als Erweiterung die zur Marktseite weisenden Renaissanceanbauten. Das läßt den Schluß zu, daß der Marktplatz zumindest um die Tiefe der Anbauten bis zu diesem Zeitpunkt größer gewesen ist. Um 1613 zählt man in Kemberg 288 Häuser – 71 Brauerben, 65 andere Häuser und 152 in den Vorstädten. Die Einwohnerzahl dürfte damit ca. 1500 betragen haben. Ab 1614 finden für die Schüler der Kemberger Stadtschule Examen statt. Sicherlich sehr zur Freude der Kinder.

    Aus der Zeit vor den großen Zerstörungen des 30jährigen Krieges, die in Kemberg 1637 erfolgten, rührt die älteste bekannte Stadtansicht. Der damals als Festungsbaumeister in Wittenberg beschäftigte Wilhelm Dilich zeichnete mit großer Präzision fast alle kursächsischen Städte und fertigte von den meisten auch Grundrisse an. Die Bilder der Stadtansichten sind uns überliefert, die Grundrißzeichnungen waren schon vor hundert Jahren verschollen.

    Die Auswirkungen des Krieges machten sich in Kemberg aber schon vor den Zerstörungen bemerkbar. Durchziehende Truppen hinterließen mehrfach Seuchen. So starben in Kemberg 1625/26 31 Personen an der Pest. Noch schlimmer kam es 1631 bis 1636. Es erlagen 356 Kemberger Personen der Seuche. Die Bestandsaufnahme aus dem Jahr 1638 nach den Zerstörungen durch marodierende schwedische Truppen ergab ein erschreckendes Bild. Von den 288 Häusern sind in der Stadt 22 und in den Vorstädten 33 völlig zerstört, d. h. abgebrannt und eingefallen. Darunter befanden sich auch 14 Brauhäuser. Wüste und unbewohnte Häuser, die noch standen, gab es in der Stadt 53 (darunter 27 Brauhäuser) und in den Vorstädten 85. In der Stadt lebten noch 61 Hauswirte (darunter 30 Brauer) und 31 in den Vorstädten. Die ausgeplünderten Bürger besaßen noch 6 ½ Scheffel Getreide, 13 Pferde, 2 Ochsen. 14 Kühe, 3 Ziegen und 29 Schweine. Das Brotgetreide wurde auf Schubkarren aus Leipzig geholt.

    Mit der Zuschüttung des Stadtgrabens wurde kurze Zeit später begonnen. Auf den so gewonnenen Flächen wurden die späteren Grabengärten angelegt. 1650 waren wieder 153 intakte Häuser vorhanden. Sechs Jahre später erfolgte der Neubau des Kirchturms. 1669 existieren noch 113 wüste Hausstellen.

    Mit der Aufstellung eines stehenden Heeres in Kursachsen traten auch für Kemberg einschneidende Veränderungen ein. Die ruinierte Stadt Kemberg erhielt eine Garnison. Diese existierte, natürlich auch mit Unterbrechungen, bis 1890. Meist lagen berittene Truppen in Kemberg. Damit hatte ein großer Teil der Bevölkerung ein bessere Einkommenslage. Besonders das Handwerk profitierte von den zusätzlichen Bewohnern des Ortes. Die Soldaten waren in Bürgerquartieren untergebracht, es existierte keine Kaserne. Im Laufe der Zeit wurden Reitplätze, Exerzierplätze und eine Reithalle errichtet. Heute erinnern nur noch wenige Gebäude an die Garnisonsherrlichkeiten. In der Nähe des Sportplatzes steht noch ein Pulverhäuschen. Das Gebäude in der Burgstraße, in der heute die Verwaltungsgemeinschaft ihren Sitz hat, wurde 1868 als Garnisonslazarett von der Stadt erbaut.

    Am 24. 11. 1690 bewegte ein Erdbeben in Kemberg und Umgebung die Gebäude.

    1697 zählte Kemberg wieder 206 Häuser mit 974 Einwohnern. Erstmals finden wir hier auch die Zusammensetzung der Bevölkerung aufgeführt. Es waren 193 Männer, 230 Frauen, 429 Kinder, 53 Knechte oder Gesellen und 69 Mägde. 1896 wurden schon wieder 652 ½ Faß Bier gebraut.

    Aus den Jahren 1699 und 1706 sind uns wieder große Stadtbrände überliefert. Bei letzterem Brand wurden 40 Wohnhäuser, darunter 9 Brauhäuser und 16 Scheunen zerstört. Am 20. 2. 1702 weilt der schwedische König Karl XII. in Kemberg.

    In der Stadt gibt es immer noch 40 wüste Stellen aus der Zeit des 30jährigen Krieges. Zusätzlich zu der vorhandenen Stadtmühle wird am sogenannten Spitznußteich eine neue Mühle errichtet, die spätere Teichmühle. Seit 1724 existiert zur Verbesserung der Bierqualität ein gemeinsames Brauhaus in der Stadt.

    Im Jahr 1733 bekommt die Schützengilde das Privileg für ein steuerfrei abzubrauendes Gebräu jährlich, und zwei Jahre später erfolgt die Gründung der Schützengilde als eine Art Verein mit Satzung. Im gleichen Jahr erfolgt in Niemitz der Bau einer neuen Ratsziegelei als Ersatz für die vorher in Oppin befindliche Ziegelei. 1738 zählt Kemberg wieder 270 Häuser, 128 in der Stadt, darunter 65 brauberechtigte, 53 in der Leipziger, 40 in der Wittenberger Vorstadt, 49 auf dem Neumarkt. Die heute noch als Schützenhaus bekannte Kemberger Gaststätte wird im Jahre 1752 erstmals als Schützenhaus erwähnt. Das Haus wurde von der Schützengilde erbaut und bis 1825 in deren Auftrag von einem Pächter bewirtschaftet. Dann wurde es für 400 Taler verkauft. 1752 zählt man 263 Häuser (davon 66 brauberechtigte), 126 in der Stadt, 53 in der Leipziger, 32 in der Wittenbergischen Vorstadt und 53 auf dem Neumarkt - es gibt 30 wüste Stellen, in der Stadt leben 1030 Einwohner. Es gibt 13 Branntweinblasen im Ort. Drei Jahre später ist die Häuserzahl auf 286 und die Einwohnerzahl auf 1262 gestiegen. Es gibt aber immer noch 25 wüste Stellen in der Stadt.

    Durch die Stiftung des Kemberger Bürger Rast war 1767 die Errichtung der Friedhofskapelle (Parentatorium) möglich gewesen. Sie steht noch heute. Der Grabstein für den Stifter befindet sich im Inneren des Gebäudes.

    1777 erfolgte der vollständige Erwerb der wüsten Mark Wöpk. Der städtische Besitz vergrößerte sich dadurch um 12 Hufen. Das Gebäude an der Ecke Anhalter Straße / Wittenberger Straße, den meisten noch als „Hopfenblüte“ bekannt, wurde von der Stadt 1794 als städtisches Malz-, Darr- und Brauhaus errichtet. Der noch heute im Keller des Gebäudes befindliche Brunnen soll damals ein hervorragendes Wasser zum Brauen geliefert haben. 1804 arbeiten in der Stadt rund 190 Handwerksmeister, und der Stadt wird ein weiterer Jahr- und Viehmarkt bewilligt. 1806 hat sich die Einwohnerzahl auf 1780 erhöht, die in 293 Häusern wohnen.

    1812 hat Kemberg wieder einmal eine berühmte Persönlichkeit in ihren Mauern – Napoleon. Bereits ein Jahr später, am 22. September, wählt sein Gegner Blücher Kemberg als Hauptquartier. Vorübergehend bezieht der Rest der Wittenberger Universität in Kemberg Quartier. Da es dem Personal durch den starken Verkehr auf der alten Heerstraße aber viel zu unruhig in dem Städtchen war, verlegten sie ihren Arbeitsort von hier nach Schmiedeberg. Mit der Abspaltung großer Teile Sachsens als eines der Ergebnisse des Wiener Kongresses kommt Kemberg mit der neuen „Provinz Sachsen“ an Preußen. 1818 zählt der Ort 322 Häuser und 1922 Einwohner. Um 1820 erfolgt der Bau des Gerichtsgebäudes (später Polizeigebäude und Museum) in der Wittenberger Straße am Kirchhof. Die Einrichtung des Gerichtsamtes Kemberg erfolgte kurze Zeit später. Damit hatten die Stadtgerichte auch in Kemberg aufgehört zu existieren.

    1854 wird das Gerichtsamt eine Gerichtskommission unter dem Kreisgericht Wittenberg. Die umfangreichen Stadthandelsbücher (seit ca. 1570 bis ca. 1830) wurden als Vorgängerakten vom preußischen Staat eingezogen und befinden sich heute in der Außenstelle des Magdeburger Landeshauptarchives von Sachsen-Anhalt in Wernigerode. Das Gericht Kemberg wurde 1943 aufgelöst, und es erfolgte der Anschluß an das Amtsgericht Wittenberg. 1826 wurde der letzte Turm der Stadtbefestigung, ein starker Rundturm am Leipziger oder Heide-Tor, abgetragen. Das äußere Heide-Stadttor folgte gegen 1850. Es war ein Renaissancebau mit Durchfahrt, ähnlich dem Schmiedeberger Autor. In der ersten Etage dieses Gebäudes waren das Stadtgefängnis und die Polizeidienerwohnung untergebracht.

    Eine überdeckte Reitbahn (Reithalle) für die Garnison mit den Maßen von ca. 28 m Länge, 16 Meter Breite und 5 Meter Höhe wird 1828 errichtet. Im gleichen Jahr beginnt die Separation der Kemberger Feldmark. Am 16. November 1829 erfolgt die Gründung des Kemberger Männergesangsvereins.

    1835 erfolgte in der Kreuzstraße ein Schulneubau. Dieses Haus mußte Mitte der Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts dem noch jetzt dort stehenden roten Klinkerbau Platz machen. 1846 vergrößert die Stadt wieder einmal ihren Besitz. Sie kauft die Unterförste. 1848 wurde das Schulhaus in der damaligen Töpfergasse (heute Schulstraße) errichtet. Dieses mußte erst 1983 dem häßlichen Klotz von Schule weichen, der noch heute das alte Stadtbild verunstaltet. 1849 hat die Stadt 365 Häuser und 3085 Einwohner. 1852 erfolgte der Bau des städtischen Forsthauses in Oppin, das auch früher schon eine Gaststube enthielt. Das Haus ist heute noch Forsthaus.

    Im Jahre 1854 war das Wahrzeichen Kembergs, der Kirchturm, wiederum stark einsturzgefährdet. Im Inneren war schon ein zusätzlich aufgemauerter Stützpfeiler zusammengebrochen. Es mußte daher der gesamte Turm abgetragen werden. Zur Verbesserung der Tragfähigkeit des Baugrundes wurden fast 130 ca. 7,5 m lange Eichenstämme als Träger des Turmfundamentes in den Boden gerammt. Mit dem Bauschutt des alten Turmes verfüllte man die sogenannten „Dreiteichen“, das waren 3 nebeneinander liegende Teiche südöstlich des Friedhofes. Die Baukosten des neuen Turmes beliefen sich auf ca. 30.000 Taler und wurden von der Stadt getragen. Es wird daher heute von einem Stadtturm und nicht von einem Kirchturm gesprochen. 1859 war der Bau beendet.

    1862 hat die Stadt 3177 Einwohner. Das städtische Waldhaus Niemitz wird 1863 errichtet und ein Jahr später gründet sich ein neuer Kemberger Verein, der Männerturnverein. Am jetzigen Sportplatz in der Bergwitzer Straße wurde 1867 eine neue Reithalle für die Garnison errichtet. Diese stand bis zum Jahr 1905. Da stürzte sie ein. Durch den Wegfall der Garnison verringerte sich die Einwohnerzahl Kembergs deutlich. 1890 waren es 2528 und 1900 nur noch 2233 Personen. Durch fehlende Arbeitsmöglichkeiten in Kemberg und der Umgebung zogen viele, vor allem junge Leute, in die stark wachsenden Industriestandorte. In Leipzig und Berlin entstanden als Folge direkte Landsmannschaften ehemaliger Kemberger, die später sogar ein eigenes Mitteilungsblatt herausgaben.

    Die moderne Technik hielt 1901 mit dem Bau einer Dampfmolkerei Einzug. Teile des Gebäudes dienen heute als Baumarkt. 1903 geht ein jahrzehntelanges Ringen um einen Bahnanschluß zu Ende. Die Kleinbahnstrecke Bergwitz-Kemberg wird eingeweiht.

    1910 hat das Städtchen 410 bewohnte Häuser. Es leben 2372 Menschen (1226 weibliche und 1146 männliche) hier. Zur Verbesserung der Wirtschaftsstruktur wurde 1911 der Plan zur Errichtung einer Eisenmoorbadanlage gefaßt. Trotz zahlreicher Vorarbeiten und auch schon Bauplänen kam es leider nicht zur Realisierung. Nicht zuletzt kam der 1. Weltkrieg dazwischen. Das Moor sollte in der Gegend von Runtzwitz gewonnen werden. Als Bauplatz hatte die Stadt schon den Grund und Boden zwischen der Dübener und Schmiedeberger Straße erworben.

    1910 fand in Kemberg das erste große Heimatfest der Region statt. Die ehemaligen Kemberger aus Berlin reisten mit einem Sonderzug an, der sie direkt zum Kemberger Bahnhof brachte. Es folgten diesem ersten Heimatfest in größeren Abständen noch drei weitere – 1930, 1935 und 1954. Die kleine Parkanlage Ecke Weinbergstraße / Reudener Straße wurde mit Mitteln finanziert, die beim Heimatfest erwirtschaftet wurden, und 1912 eingeweiht.

    Am 11. Dezember 1911 um 6 Uhr abends fing für Kemberg das elektrische Zeitalter an. Das Ortsnetz wurde an das Elektrizitätswerk in Bergwitz angeschlossen. 61 elektrische Straßenlampen verdrängten die 42 alten Petroleumlampen.

    (Quelle: Stadt-Homepage)



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