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  • Stadt Gummersbach

    Stadtdaten


    Bundesland: Nordrhein-Westfalen
    Regierungsbezirk: Köln
    Kreis: Oberbergischer
    Kreis
    Geografische Lage: 51° 02' n. Br., 7° 34' ö. L.
    Höhe: 200 (bei Brunohl)-519 (bei Oberrengse) m ü. NN
    Fläche: 95,39 km²
    Einwohner: 53.183 (31. Dezember 2004)
    Bevölkerungsdichte: 558 Einwohner je km²
    Postleitzahl: 51643, 51645, 51647
    Telefonische Vorwahl: 02261
    Kfz-Kennzeichen: GM
    Gemeindeschlüssel: 05 3 74 012 Hausanschrift der Stadtverwaltung: Rathausplatz 1 51643 Gummersbach

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    Geschichte der Stadt Gummersbach


    Mittelalter (600-1490)

    Die dauerhafte Besiedelung des heutigen - damals noch unwirtlichen - Stadtgebietes durch die Franken aus der Kölner Bucht und Sachsen aus westfälischem Gebiet begann im 7./8. Jh. n. Chr. Bis in das 20. Jahrhundert hinein war das Aufeinandertreffen der beiden Stämme entlang der Agger noch an der unterschiedlichen Dialektfärbung einzelner Ortschaften (moselfränkisch - sächsisch) ablesbar. Der heutige Ortskern Gummersbachs, der 1109 erstmalig urkundlich erwähnt wurde, erlangte eine erste überörtliche Bedeutung, als im Zuge der karolingischen Christianisierung das Kölner Kloster St. Severin im Auftrag des Erzbischofs Gunter eine Kirche erbaute und die erste Pfarrei im Gebiet zwischen Leppe, Dörspe und Agger einrichtete. Kirchliche und weltliche Verwaltung waren im Mittelalter eng miteinander verwoben. Schon während der Phase der Rodungen im Zuge des Landesausbaues (9. – 13. Jahrhundert) dominierte die Viehwirtschaft gegenüber dem Ackerbau. Klimatische Verhältnisse und Bodenbeschaffenheit ließen nur eine geringe Ertragskraft der Landwirtschaft zu, so dass schon bald die Ausübung von bäuerlichen Nebengewerben (Erzbergbau seit dem 12. Jh., verschiedene Handwerke, Vogelfang usw.) zum Überleben notwendig war. Trotz der schlechten Wege existierten bereits seit dem Mittelalter regelmäßige Handelsbeziehungen zu anderen Regionen. Wichtigster überörtlicher Markt war für Jahrhunderte die Stadt Köln, die etwa eine Tagesreise entfernt lag. Nach dem Zerfall der ersten übergreifenden politischen Verwaltungsorganisation des Gebietes, des Auelgaues, kam der Gummersbacher Raum nach einer langen Phase territorialer Auseinandersetzungen 1273/87 für Jahrhunderte zur Grafschaft Mark und bildete einen wesentlichen Bestandteil des neuen Amtes Neustadt. Der hohe Anteil der Freien an der bäuerlichen Bevölkerung, aber auch die relativ unbedeutende Rolle des landansässigen Adels u.a.m. ermöglichten eine weitgehend unabhängige bäuerliche Selbstverwaltung des Kirchspiels Gummersbach; als dessen Unterorganisationen fungierten die Bauernschaften Gummersbach, Bernberg, Rospe, Strombach, Gelpe und Calsbach. Gemeinsame Interessen besonders in der Abwehr neuer Abgaben vertraten die Bauernschaften und ihre gewählten Vertreter nachdrücklich gegenüber der weltlichen und kirchlichen Obrigkeit, die dementsprechend über „den harten Sinn des Volkes“ klagte.

    Frühe Neuzeit (1490-1750)

    Die durch Kauf erworbenen ”Privilegien von 1490” sicherten wichtige Freiheitsrechte. Die Jagdfreiheit wie der Verzicht auf Fronarbeit gehörten z. B. zu diesen garantierten Privilegien. Hiermit konnten sich die Bewohner des Amtes Neustadt Rechte sichern, für die einige Jahrzehnte später in anderen Teilen Deutschlands die ländliche Bevölkerung im Bauernkrieg letztendlich erfolglos kämpfte. Allerdings wurden diese Rechte und Privilegien nach der Umwandlung des Amtes Neustadt in die unabhängige Reichsherrschaft Gimborn-Neustadt (1614 - 1631) durch den neuen Landesherren Adam von Schwarzenberg massiv in Frage gestellt, der zudem Schritte zu einer katholischen Gegenreformation einleitete. Die Vertreter der Gummersbacher Bauernschaften, die die Interessen der Bevölkerung gegenüber dem neuen Landesherren und seinen despotischen Amtmännern vertraten, mussten teilweise außer Landes fliehen oder Geld- und Gefängnisstrafen hinnehmen. Dennoch konnten nach harten Kämpfen und unter Ausnutzung rechtlicher Mittel die angestammten Privilegien wie auch die Religionsfreiheit verteidigt werden. Eine Bekräftigung fanden sie im kaiserlichen ”Landvergleich von 1658”, der bis zum Beginn der französischen Okkupation 1806 - auch während der kurzen Herrschaft des Grafen Johann Ludwig von Wallmoden (1782 - 1806) - das ”Grundgesetz” der Freien Reichsherrschaft Gimborn-Neustadt war. Die Gummersbacher lebten in dem Bewusstsein, Bewohner eines „Freiländchens“ zu sein. Allerdings stemmten sich die Bauernschaften mit ihren relativ großen Einflussmöglichkeiten im 18. Jahrhundert auch gegen Einführung neuer Verwaltungsmethoden und Infrastrukturmaßnahmen durch den Landesherren, da sie darin zunächst einmal eine Bedrohung ihrer Position vermuteten. Innovative Gummersbacher Hammerwerksbesitzer und Händler übten denn auch um 1800 offen Kritik an der beharrenden Mentalität der traditionellen Bauernschaftsvorsteher.

    Aufklärung (1750-1810)

    Auch der Erbauer von Haus König, Joh. Peter König (1723-1802), war Besitzer mehrerer Hammerwerke (Photo um 1910).

    Ab 1750 entstand in Gummersbach ein Landbürgertum. Die Grundlage war die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung im gewerblich-kaufmännischen Bereich (Hammerwerke, Handelshäuser u.a.). Die Reidemeister (Hammerwerksbesitzer) und Kaufleute waren nicht allein ökonomisch ausgerichtet, sondern auch den Gedanken der Aufklärung gegenüber aufgeschlossen. Dies wird besonders deutlich an der Gründung der Rektoratschule - der ersten höheren Schule des Ortes - im Jahre 1764, die durch Spenden aus allen Bauernschaften des Kirchspiels Gummersbach finanziert wurde und deren erste Rektoren stark den Idealen der Aufklärung verpflichtet waren.

    Auch wenn der Adel als Reibungspunkt vor Ort weitgehend fehlte, war diese - allerdings relativ schmale - Schicht der Gummersbacher Besitz- und Bildungsbürger bestrebt, bürgerliches Selbstbewusstsein zu demonstrieren. Hierzu gehörte zum Ende des 18. Jahrhunderts auch der Bau repräsentativer Wohnhäuser im Kirchdorf. In der 1811 gegründeten Gesellschaft „Zur Eintracht“ - dem ersten Verein in der Region - wurden die bereits zuvor bestehenden engen gesellschaftlichen Kontakte in der bürgerlichen Form des Vereins verfestigt, und es erfolgte in diesem Rahmen ein ständiger, täglicher Austausch - auch durch Lektüre auswärtiger Zeitungen - über allgemeine, nicht nur lokale Themen.

    Franzosenzeit (1806-1813)

    Die Inbesitznahme der kleinen Reichsherrschaft Gimborn-Neustadt durch Napoleon bedeutete trotz der relativ kurzen Dauer von nicht einmal einem Jahrzehnt für Gummersbach eine tiefgreifende Zäsur, mit der dauerhaft die jahrhundertealte traditionale politische Ordnung zwischen Landesherrn und Bauernschaften beendet wurde. Auch der Bereich der kommunalen Verwaltung erfuhr eine völlige Neuordnung nach damals modernen französischen Standards.

    Ab 1806 gehörte Gummersbach zum französischen Großherzogtum Berg; die drei Bauernschaften Gummersbach, Bernberg und Rospe wurden zur Mairie (Bürgermeisterei) Gummersbach zusammengelegt, die wiederum zum Kanton Gummersbach gehörte, der mit der ehemaligen Reichsherrschaft Gimborn-Neustadt deckungsgleich war. Ein Teil der bürgerlich-bäuerlichen Oberschicht sympathisierte mit den französischen Besetzern wegen der moderneren Verwaltungsmethoden und der Einführung des Code Civil, während ein anderer Teil die ”Okkupanten” wegen des Verlustes der Selbstverwaltungsrechte ablehnte.

    Aufgrund der hohen Steuern und der ungewohnten Einberufungen zum Militärdienst, der wegen der vielen Kriege Napoleons mit hohen Risiken verbunden war, stieß die französische Herrschaft bei der großen Mehrheit der bäuerlich-handwerklichen Bevölkerung auf immer stärkere Ablehnung, die im Frühjahr 1813 in einer Rebellion - dem sogenannten ”Speckrussenaufstand” - eskalierte. Der Anlass war eine erneute Rekrutenaushebung, die Napoleon aufgrund der großen Verluste während des Rußlandfeldzugs angeordnet hatte. Angriffspunkte der Aufständischen waren auch Häuser von solchen wohlhabenden Gummersbachern, die wie der Maire Georg Heuser eng mit den Franzosen zusammenarbeiteten. Erstmals seit Jahrhunderten existierte im Kirchspiel keine gemeinsame Haltung der verschiedenen sozialen Schichten gegenüber der Obrigkeit. Auch wenn die Rebellion nach einigen Tagen niedergeschlagen wurde, blieb sie auch als neue Form eines politisch-sozialen Protestes tief im Bewusstsein der Einwohner der neuen Bürgermeisterei Gummersbach eingegraben.

    Von Napoleon zu Wilhelm I. (1813-1871)

    Gummersbachs erstes Rathaus. Um 1850 von dem Fabrikanten Wilhelm Müller als Wohn- und Geschäftshaus erbaut, wurde es 1861 von der zur Stadt avancierten Gemeinde erworben; es diente nicht nur als Bürgermeister-, sondern auch als Landratsamt (um 1890).

    Die Jahrzehnte nach der Eingliederung der Bürgermeisterei Gummersbach in das Königreich Preußen (1815) waren in wirtschaftlicher Hinsicht von weitgehender Stagnation geprägt (bis ca. 1860). Insbesondere das eisenverarbeitende Gewerbe hatte während der Napoleon-Zeit durch die Kontinentalsperre seine wichtigsten Märkte verloren. Die technisch weit überlegene britische Konkurrenz ließ auch ihre „Zurückeroberung“ nicht zu. Zudem litt die Wirtschaft des Ortes trotz des Baues der Köln-Olper Straße - auf der Trasse der heutigen B 55 - zunehmend unter ihrer schlechten Verkehrsanbindung.

    Administrativ und politisch hingegen erfuhr Gummersbach durch die Erhebung zum Hauptort des neu geschaffenen
    Kreises Gummersbach (1825) und die Verleihung der Stadtrechte im Jahre 1857 eine Aufwertung. Dabei war es das Anliegen des Bürgermeisters wie aller Gemeindeverordneten, dass das gesamte Gebiet der Bürgermeisterei - und nicht nur der engere Kern wie im benachbarten Neustadt - in die Stadt übernommen werde. Nach harten Verhandlungen mit der Regierung gelang dies auch. Zur Zeit der Revolution 1848/49 – die aktiven Gemeindebürger waren mehrheitlich Anhänger der Liberalen – entwickelte sich Gummersbach zum wichtigsten politischen Kommunikationszentrum im Oberbergischen. Die Ära nur lokal bezogener politischer Auseinandersetzungen war damit endgültig vorbei.

    Das Wilhelminische Kaiserreich (1871-1918)

    Während des Kaiserreichs wandelte sich Gummersbach zu einer Stadtgemeinde mit einem kleinstädtischen Zentrum, großen Industriedörfern und nach wie vor ländlich geprägten Weilern. Es war die Phase der eigentlichen Stadtwerdung, die sich auch im Ausbau der Infrastruktur und der Errichtung repräsentativer öffentlicher Gebäude insbesondere in der engeren Stadt dokumentierte. Vor allem nach der Jahrhundertwende entstanden z. B. mit dem Landratsamt, der Oberrealschule, dem Lehrerseminar, dem evangelischen Gemeindehaus, der Schützenburg, dem Hallenbad usw. Bauten, die deutlich aus der bisherigen Architektur herausragten und eindeutig städtischen Charakter besaßen. Elektrizitätswerk, Eisenbahnanschluss, Kanalisation und Schlachthof sind nur einige Stichworte, die den Durchbruch neuer Techniken in der städtischen Infrastruktur signalisieren.

    Im gesellschaftlichen Bereich war eine Welle von Vereinsgründungen auch Reaktion auf die sozialen Umbrüche und die Suche nach neuem sozialen Zusammenhalt, nicht zuletzt in den einzelnen Ortsteilen. Waren die Gesellschaft „Zur Eintracht“ (1811) und der „Gummersbacher Schützenverein“ (1833) noch vereinzelter Ausdruck neuen bürgerlichen Bewusstseins, wurden nun die Vereine zunehmend zum sozialen Gerüst der städtischen Gesellschaft. Sie differenzierten sich dabei auch nach sozialen wie religiösen Interessenlagen und Bindungen aus; sie bildeten zudem teilweise die Kerne, um die sich soziale Milieus in der Stadt allmählich ausformten. Auch die Parteien wurden immer stärker Vertreter einzelner sozialer Schichten und Religionsgemeinschaften. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs beendete die Aufschwungphase. Angetrieben von starken nationalen Gefühlen unterstützten weite Teile der Bevölkerung in den ersten Kriegsjahren durch Zeichnung von Kriegsanleihen, Sammlungen usw. die Finanzierung des Krieges, den die meisten als gerechten Verteidigungskrieg empfanden.

    Die Weimarer Republik (1919-1933)

    Die von den meisten Gummersbachern als Schock empfundene, innerlich nicht akzeptierte Niederlage von 1918 und die Novemberrevolution lösten nach dem Kriegsende eine starke Politisierung aus. Mit der Abschaffung des Drei-Klassen-Wahlrechtes spielten nun auch in der Kommunalpolitik die Parteien eine starke Rolle, wobei zunächst die SPD zur stärksten Partei avancierte, ohne allerdings die absolute Mehrheit zu erlangen. Viele politische Versammlungen, Wahlkämpfe und kurze Streiks prägten die ersten Jahre nach dem Kriegsende. In Gummersbach stand vor allem die Wohnungsnot als drängendes Problem im Mittelpunkt der Auseinandersetzungen zwischen den örtlichen Parteiorganisationen, in die sich auch die nun mitgliederstarken freien Gewerkschaften nachhaltig einmischten. Eine Großdemonstration im November 1919 führte zur zeitweisen Verhängung des Kleinen Belagerungszustandes über die Stadt. Während des Kapp-Putsches 1920 verteidigten Gewerkschaften und Parteien (mit Ausnahme der DNVP und DVP) mit Hilfe eines Generalstreiks die Demokratie und entwaffneten die Lützower Truppen in der Stadt, die für einige Tage am Rande bürgerkriegsähnlicher Kämpfe stand. Die wirtschaftliche Situation wurde vor allem von den allgemeinen Konjunkturschwankungen bestimmt, da die Gummersbacher Betriebe inzwischen stark auf die nationalen und internationalen Märkte ausgerichtet waren. Hyperinflation (1923), französische Besetzung von Teilen des heutigen Stadtgebiets (1923/25) und vor allem die Weltwirtschaftskrise ab 1929 zerstörten immer stärker das Ansehen der Republik, deren unbestreitbare Erfolge wie der Ausbau des Sozialstaates, weitere herausragende Infrastrukturmaßnahmen (z. B. Bau der Aggertalsperre) und der Wohnungsbau kaum gewürdigt wurden.

    Mit der Zunahme der Arbeitslosigkeit - 1932 ca. 20% im Stadtgebiet - wuchs auch in Gummersbach die Zahl der offenen Republikfeinde, und die politischen Auseinandersetzungen nahmen an Umfang und Stärke zu, bis hin zu gewalttätigen Aktionen. Obwohl die NSDAP bei Wahlen 1932 ca. ein Drittel aller Stimmen erhielt, war Gummersbach vor 1933 jedoch nicht nationalsozialistisch dominiert; die Wahlerfolge der NSDAP lagen unter dem Reichsdurchschnitt. Das ehemals nationalliberale Bürgertum votierte vor allem für die Deutschnationalen, die allerdings 1933 auch auf lokaler Ebene bis zu ihrer Auflösung mit der NSDAP koalierten. Doch mit ihrem beachtlichen sozialistischen wie auch katholischen Milieu unterschied sich die Gummersbacher Bevölkerung damit nachhaltig vom bäuerlich-protestantischen Milieu in den Gemeinden südlich der Agger, die mit überwältigenden Mehrheiten bereits vor 1933 für die Nationalsozialisten votierten. Im Wahlverhalten wurde nochmals sichtbar, dass Gummersbach - besonders im Aggerraum - sich zu einer Stadt mit einer Industriebevölkerung gewandelt hatte.

    Die NS-Diktatur (1933-1945)

    Auch nach der Bildung des Oberbergischen
    Kreises im Jahre 1932, in dem die
    Kreise Gummersbach und Waldbröl zusammengefügt wurden, konnte die Stellung als Sitz der
    Kreisverwaltung behauptet und die zentrale Position innerhalb der Region sogar noch gestärkt werden. Dadurch wurde Gummersbach, obwohl die Stadt vor 1933 keine nationalsozialistische Hochburg war, als Sitz der
    Kreisleitung nun Schauplatz vieler NS-Aktivitäten. Hier fanden z. B. die
    Kreisparteitage mit ihren Aufmärschen statt. Aus den unterschiedlichsten Gründen (Überzeugung, Opportunismus, Terror gegen politische Gegner usw.) konnte sich auch in Gummersbach schnell die NS-Gewaltherrschaft etablieren. Unter diesen Bedingungen blieb der Widerstand oder die Widersetzlichkeit mutiger Gummersbacher auf Einzelpersonen und kleine Gruppen beschränkt. Der wirtschaftliche Aufschwung, der wesentlich auf kreditfinanzierte Rüstungsproduktion zurückzuführen war, überdeckte für viele die terroristischen Aspekte der NS-Diktatur. Seit 1935 war die Arbeitslosigkeit fast beseitigt, und bis auf die Steinbrüche, die von einer strukturellen Krise betroffen waren, konnten die Betriebe wieder in vollem Umfang produzieren. Mit bürokratischer Unerbittlichkeit verfolgten Partei und Staat wie im übrigen Deutschen Reich aus rassistischen Gründen Minderheiten, vor allem jüdische Bürger und Bürgerinnen, von denen einigen mit Unterstützung couragierter nicht-jüdischer Gummersbacher/innen die Flucht ins Ausland gelang. Die kommunalen Verwaltungen der Stadt und des
    Kreises waren willfährige - teilweise auch überzeugte - Ausführungsorgane der Anordnungen von Staat und Partei. Den Kriegsbeginn im September 1939, der sich durch Einquartierungen indirekt ankündigte, nahm die Bevölkerung eher gleichmütig hin. Neben den Rationierungen und Einberufungen sowie der Intensivierung der Produktion auf Kriegsbedürfnisse blieb in den ersten beiden Kriegsjahren ein relativ „kriegsfernes“ städtisches Leben erhalten. Ab 1942/43 hielten viele Zwangsarbeiter aus ganz Europa die Industrieproduktion aufrecht. Im Dezember 1943 wurde Gummersbach erstmals Schauplatz eines größeren Bombenangriffes. Dennoch blieben die Zerstörungen bis zum Kriegsende weit hinter denen von Großstädten wie Köln zurück. Dementsprechend wurde Gummersbach zum Rückzugsgebiet für Privatpersonen, aber auch großstädtischer Verwaltungen und Betriebe. In den letzten Kriegsjahren stieg durch Evakuierte aus den Großstädten die Einwohnerzahl um mehr als die Hälfte. Am 11. April 1945 waren die Kriegshandlungen in Gummersbach beendet, amerikanische Truppen hatten die Stadt besetzt.

    Die Nachkriegsjahre (1945-1950)

    Wohnungsnot, eine katastrophale Versorgungs- und Brennstofflage, britische und belgische Besatzung, politische Desorientierung usw. prägten die ersten Nachkriegsjahre. Dennoch konnte bereits 1946 auf kommunaler Ebene der politische Neuanfang mit entschiedenen Demokraten aus der Weimarer Republik beginnen und die Probleme angegangen werden, die mit dem enormen Bevölkerungszuwachs verbunden waren. Dies bedeutete vor allem: möglichst viele Mittel für den Bau von Wohnungen, Schulen usw. zu mobilisieren. Trotz der im Vergleich zu den Großstädten relativ geringen Kriegszerstörungen herrschte in der unmittelbaren Nachkriegszeit wegen der vielen Evakuierten und dem Zuzug Tausender Vertriebener aus dem Osten eine große Wohnungsnot in Gummersbach. Die Zahl der Einwohner lag auch noch 1949, als die meisten Evakuierten wieder in ihre Heimatorte zurückgekehrt waren und die Kriegstoten und Vermissten in der Statistik berücksichtigt wurden, mit ca. 30.000 noch mehr als 50 Prozentpunkte über der zu Kriegsbeginn.

    Bis zum Ende der Kommunalreform (1950-1975)

    Das ”Wirtschaftswunder” der 1950/60er Jahre begünstigte die beachtliche Leistung der Integration der Vertriebenen und der ursprünglich Evakuierten in die städtische Gesellschaft. Das traditionelle Vereinswesen mit seinem Schwergewicht auf Sport, Musik und Gesang hatte hieran einen entscheidenden Anteil; die Vereine blieben das Gerüst der Gummersbacher Gesellschaft. Die überragenden Erfolge der 1. Handballmannschaft des VfL Gummersbach, der nach dem ersten Sieg im Europapokal der Landesmeister im Jahre 1967 einen Erfolg an den anderen reihte und zum erfolgreichsten Handballverein der Welt aufstieg, machten die Stadt in ganz Europa zu einem Begriff. Im ersten Nachkriegsjahrzehnt blieb die traditionelle Wirtschaftsstruktur mit der besonderen Bedeutung der Textilindustrie und der Firma Steinmüller weitgehend erhalten. Allerdings verzeichneten Firmen z. B. gerade aus dem Bereich der Elektrotechnik besonders starke Zuwachsraten. Als in den 1960er Jahren die Textilindustrie immer mehr ihre Wettbewerbsfähigkeit einbüßte und Firmen schließen mussten, konnten die neuen mittelständischen Betriebe einen Teil der Arbeitskräfte aufnehmen. In den Zielüberlegungen der städtischen Verwaltung und Politik wurde in den 1950er und 1960er Jahren vor allem über die Stärkung der Stadt als Zentrum des Oberbergischen Landes diskutiert. In diesem Zusammenhang standen Überlegungen zum Ausbau Gummersbachs als Dienstleistungszentrum und damit zusammenhängend eine Neuziehung der Grenzen des Stadtgebietes im Vordergrund. Nur durch eine größere Bevölkerungszahl und dementsprechende Steuerkraft sah man sich in der Lage, die enorm gestiegenen Ansprüche und Nachfragen an städtische Dienstleistungen und den Ausbau der Infrastruktur befriedigen zu können. Hiermit geriet der Gummersbacher Stadtrat bzw. die städtische Verwaltung in Konflikt mit jahrhundertealten Traditionen der benachbarten Gemeinden, die durch eine kommunale Neugliederung teilweise um die Wahrnehmung ihrer eigenen Interessen fürchteten. Auch die emotionalen Vorbehalte gegen die „große“
    Kreisstadt erleichterten nicht die neuen Grenzziehungen in den Jahren 1969/75. Teile der Gemeinden Bielstein, Bergneustadt, Denklingen, Marienheide, Gimborn, Lieberhausen und Wiehl wurden trotz deren Widerstand durch Beschluss des Landtages in die Stadt Gummersbach eingemeindet, die nun ca. 50.000 Einwohner hatte. In der Landesplanung wurde der Stadt die Rolle des Dienstleistungszentrums bzw. Mittelzentrums für den Oberbergischen
    Kreis zugewiesen.

    Gummersbach als Mittelzentrum (ab 1975)

    Stadtrat und Stadtverwaltung stimmten mit den vom Land vorgegebenen Perspektiven überein und versuchten durch eine Vielzahl von Maßnahmen, die Stellung Gummersbachs als Mittelzentrum für die umliegende Region zu stärken und auszubauen. Dieses Bestreben ist vor allem in vielen neuen Bauten sichtbar, mit denen die Stadt den gestellten Anforderungen gerecht werden wollte. Diese betrafen die Bereiche Bildung und Kultur (z. B. Neubau beider Gymnasien, Realschule, Theater, Bruno-Goller-Haus), Stadtsanierung (z. B. in der Innenstadt EKZ Bergischer Hof, Alte Post, Bismarckplatz und Fußgängerzonen) wie auch öffentliche Verwaltung und Wirtschaftsförderung (Rathausneubau, Standortsicherung Steinmüller, Gründer- und Technologie-Zentrum, neue Gewerbegebiete Windhagen u.a.). Zusammen mit der gleichfalls starken privaten Bautätigkeit (Entwicklungsmaßnahmen Bernberg, Berstig u.v.a.m.) veränderte sich die Stadt im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts in einem bis dahin beispiellosen Umfang. Allerdings wurde für die Umgestaltung teilweise wertvolle historische Bausubstanz geopfert, was vor allem in den 1970er Jahren zu starken Bürgerprotesten führte. Am Ende des Jahrhunderts hat die Stadt sich in die Richtung eines Einkaufs- und Dienstleistungszentrums für die oberbergische Region weiterentwickelt, ohne dabei die traditionell mittelständisch geprägte Wirtschaftsstruktur zu verlieren. Allerdings konnten trotz der Maßnahmen zur Standortsicherung nicht alle Firmen am Ort gehalten und erhebliche Arbeitsplatzverluste im gewerblichen Bereich nicht verhindert werden. Insbesondere durch die Übernahme der Firma Steinmüller durch Babcock-Borsig im Jahre 1999 und die folgende Einstellung der industriellen Fertigung gingen viele Arbeitsplätze verloren und große Flächen in der direkten Nähe des Zentrums fielen brach. Die Entwicklung der Stadt in den nächsten Jahrzehnten wird entscheidend davon abhängen, ob und inwieweit die Neuerschließung und Umnutzung dieses Areals - verbunden mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze - gelingen wird.

    (Quelle: Stadt-Homepage)


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